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KI-Sorgen drücken auf Europas Aktienmärkte

VON Tobias Schreiner
4. Februar 2026
in WELT, WIRTSCHAFT
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Nach dem weltweiten Ausverkauf im Technologiesektor zeigen sich die europäischen Börsen zur Wochenmitte zurückhaltend. Anleger reagieren nervös auf die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), die eine mögliche Umwälzung ganzer Geschäftsmodelle erwarten lassen. Besonders Aktien klassischer Softwarekonzerne geraten unter Druck, während sich der deutsche Leitindex Dax nur knapp behaupten kann.

Dax und EuroStoxx50 mit leichten Abschlägen

Der Dax notiert im frühen Handel bei rund 24.753 Punkten und damit leicht unter dem Vortagesniveau. Der EuroStoxx50 verliert etwa 0,3 Prozent auf 5.118 Zähler. Eine klare Richtung fehlt, da die Marktteilnehmer zwischen vorsichtiger Stabilisierung und erneuten Abgaben schwanken.

Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank, beschreibt die Lage so:
„Die Sorge, dass die Disruption durch immer besser werdende KI-Anwendungen etablierten Softwarekonzernen die Kundschaft abgraben könnte, versetzt viele Anleger in Habachtstellung.“
Diese Unsicherheit laste zusätzlich auf dem Dax, „zumal SAP lange Zeit zu den wichtigsten Zugpferden des Index gehörte“.

Schwankender Handel nach bewegten Tagen

Nach den starken Ausschlägen der vergangenen Tage beginnt der Handel in Frankfurt vergleichsweise ruhig. Zeitweise bewegte sich der Dax am Morgen im Bereich von 24.860 Punkten. Am Dienstag hatte der Index zwischenzeitlich deutlich im Plus gelegen, war aber mit 24.781 Punkten leicht schwächer aus dem Handel gegangen.

Uneinheitliche Signale aus den internationalen Märkten sorgen derzeit dafür, dass viele Investoren vorerst an der Seitenlinie bleiben.

US-Märkte stabilisieren sich nach Rücksetzer

An den US-Börsen wird zur Wochenmitte ein nahezu unveränderter Handelsstart erwartet. Nach dem kräftigen Rückgang am Vortag versuchen sich die Märkte zu stabilisieren. Besonders stark betroffen war zuletzt der Softwaresektor, der die Technologiewerte insgesamt nach unten zog.

Auslöser war ein deutlicher Kursrutsch bei Aktien von Unternehmen, die sich mit Datenanalyse und Unternehmenssoftware befassen. Diese Entwicklung schwappte rasch auf andere Tech-Werte über.

Neues KI-Modul sorgt für Verunsicherung

Hintergrund der Turbulenzen sind technologische Fortschritte beim KI-Unternehmen Anthropic. Der Konzern stellte ein Zusatzmodul für seinen Chatbot Claude vor, das speziell für juristische Aufgaben genutzt werden kann. Das Plugin ermöglicht es, komplexe Analysen durchzuführen und Dokumente automatisiert auszuwerten.

Marktbeobachter sehen darin das Potenzial, etablierte Analyse- und Datensoftware herauszufordern. Die Aussicht auf neue Konkurrenz aus dem KI-Bereich setzte entsprechende Aktien massiv unter Druck.

Furcht vor strukturellem Wandel im Softwaregeschäft

Viele Investoren befürchten, dass klassische Softwarelösungen in bestimmten Bereichen durch KI-basierte Anwendungen ersetzt werden könnten. Sollte sich dieser Trend verstärken, müssten etablierte Anbieter ihre Geschäftsmodelle grundlegend anpassen.

Die jüngsten Kursbewegungen spiegeln diese Unsicherheit wider. Besonders Unternehmen, deren Erlöse stark von Analyse- oder Datenlösungen abhängen, standen im Fokus der Verkäufe.

Asiens Börsen folgen schwacher Vorgabe

Auch die Aktienmärkte in Asien reagieren auf die Entwicklungen mit Zurückhaltung. Die Verluste an den US- und europäischen Börsen belasteten die Stimmung. Die Sorge vor einer Verdrängung traditioneller Software durch KI-Technologien sorgt auch dort für Abgaben.

Der Nikkei-Index in Tokio fällt um 0,6 Prozent auf 54.390,11 Punkte. Der breiter gefasste Topix legt hingegen leicht um 0,2 Prozent zu. Der Shanghai Composite zeigt sich nahezu unverändert.

Gewinner und Verlierer im KI-Umfeld

Ben Bennett, Anlagestratege für Asien bei L&G Asset Management, ordnet die Lage ein:
„Der KI-Handel spaltet sich in relative Gewinner und Verlierer. Dieses Wackeln bei der Software hat sich diese Woche fortgesetzt.“

Während einige Unternehmen von der rasanten Entwicklung profitieren, geraten andere zunehmend unter Druck. Diese Verschiebungen machen den Markt anfällig für schnelle Richtungswechsel.

Anleger bleiben vorsichtig positioniert

Die aktuellen Bewegungen zeigen, wie sensibel die Börsen auf technologische Durchbrüche reagieren. Solange unklar bleibt, welche Geschäftsmodelle dauerhaft unter Druck geraten und welche von KI profitieren, dürfte die Volatilität hoch bleiben.

Viele Marktteilnehmer warten daher auf weitere Unternehmenszahlen und Signale aus dem Technologiesektor, bevor sie neue Positionen eingehen.

Schlagwörter: AktienmarktAnthropicBörseClaudeDAXEuroStoxx50KIKünstlicheIntelligenzSoftwareaktienTechsektor
Tobias Schreiner

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