Gerichtsurteil zu Trumps Handelspolitik sorgt für Flucht in Gold
Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, die weitreichenden Zölle von US-Präsident Donald Trump für rechtswidrig zu erklären, hat an den Finanzmärkten neue Unsicherheit ausgelöst. Anleger reagieren darauf mit einer verstärkten Umschichtung in sichere Anlagen. Besonders gefragt ist Gold. Der Preis für eine Feinunze steigt zeitweise um bis zu 1,4 Prozent auf 5.176 US-Dollar und erreicht damit den höchsten Stand seit rund drei Wochen.
Der Supreme Court hatte am Freitag die auf einem Notstandsgesetz basierenden Importzölle gekippt. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass Trump seine Befugnisse überschritten habe, als er die Abgaben ohne Zustimmung des Kongresses verhängte. Kaum war das Urteil verkündet, kündigte der Präsident an, Zölle künftig auf einer anderen gesetzlichen Grundlage durchsetzen zu wollen. Zunächst stellte er einen globalen Zollsatz von 10 Prozent in Aussicht, den er noch am Wochenende auf 15 Prozent erhöhte.
Diese schnelle Abfolge widersprüchlicher Signale verstärkt nach Einschätzung vieler Marktbeobachter die Nervosität. Investoren fürchten, dass die Handelspolitik der USA weiterhin schwer kalkulierbar bleibt und neue Belastungen für die Weltwirtschaft nach sich ziehen könnte.

Anleger suchen Sicherheit in einem unruhigen Umfeld
Händler berichten, dass die gestiegene Nachfrage nach Gold vor allem aus Absicherungsüberlegungen resultiert. Politische Risiken, unklare Handelsregeln und geopolitische Spannungen lassen klassische Risikoanlagen weniger attraktiv erscheinen.
Tim Waterer, Analyst beim Handelshaus KCM Trade, sagte wörtlich:
„Ob der Goldpreis in naher Zukunft wieder über 5.400 Dollar steigen kann, könnte davon abhängen, wie lange die Unsicherheit bezüglich der Zölle anhält und ob die USA militärische Maßnahmen gegen den Iran ergreifen.“
Der Edelmetallmarkt reagiert damit nicht nur auf handelspolitische Faktoren, sondern auch auf die angespannte Lage im Nahen Osten. Bereits in den vergangenen Wochen hatten Drohungen und Manöver in der Region immer wieder für erhöhte Volatilität an den Rohstoffmärkten gesorgt.
Gold gilt traditionell als Inflationsschutz und Wertaufbewahrungsmittel in Krisenzeiten. Steigende Kurse werden daher häufig als Indikator für wachsende Risikoaversion interpretiert.
Trump sieht sich trotz Niederlage gestärkt
Der US-Präsident selbst bewertet das Urteil des Supreme Court anders als viele Marktteilnehmer. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte der 79-Jährige, das Gericht habe ihm mit seiner Entscheidung unbeabsichtigt „weitaus mehr Macht und Stärke“ verliehen. Andere Abgaben könnten künftig „auf viel mächtigere und unangenehmere Weise“ eingesetzt werden.
Trump ergänzte, er könne Lizenzen nutzen, um „absolut schreckliche Dinge“ mit anderen Ländern zu tun. Welche Instrumente er damit konkret meint, ließ er offen. Die Aussagen nähren jedoch die Befürchtung, dass der Konflikt um Handelsmaßnahmen noch lange nicht beendet ist.
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass künftige Zölle zwar möglich bleiben, jedoch auf eine klarere gesetzliche Grundlage gestellt werden müssten. Ob dies in der Praxis zu mehr Stabilität führt, bleibt abzuwarten.
Ausblick für Gold und Märkte bleibt offen
Für die kommenden Wochen sehen Analysten mehrere mögliche Kurstreiber. Sollte es Trump gelingen, neue Zölle durchzusetzen, könnte dies die Nachfrage nach Gold weiter anheizen. Ebenso würde eine Verschärfung geopolitischer Spannungen zusätzlichen Auftrieb geben.
Umgekehrt könnte eine Entspannung in den Handelsbeziehungen oder ein klareres rechtliches Vorgehen der US-Regierung den Druck vom Markt nehmen und Gewinnmitnahmen auslösen.
Fest steht: Das Edelmetall profitiert derzeit von einem Umfeld, das von politischen Risiken, juristischen Auseinandersetzungen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt ist. Solange diese Faktoren bestehen bleiben, dürfte Gold eine zentrale Rolle als sicherer Hafen im Portfolio vieler Investoren spielen.




